Ulrich
Görtz
Sonnensucher
26. März bis 15. Mai 2004
Ulrich Görtz zeigt in Karin Barths Salon unter dem Titel „Sonnensucher“ eine
Auswahl seiner aktuellen Arbeiten. Der in Köln lebende Künstler
arbeitet vorwiegend bildhauerisch. Seine figürlichen Darstellungen,
Skulpturen und Reliefs wirken wie bildhafte Momentaufnahmen, die durch
ihre traditionell-handwerkliche Umsetzung unvermutet zu ganz eigener Monumentalität
gelangen.
Görtz nennt seine Plastiken z.B. „Auto mit kleinen Männern“, „Eintopf“ oder „Nach
dem Regen“. Sie sind selten größer als das Bild eines
mittleren Fernsehers. Dargestellt werden hauptsächlich Menschen bei
alltäglichem Tun; innehaltend beim Baden im Fluss, beim Baggerfahren
und Vorüberreiten, kauernd, stehend oder auch liegend, zugedeckt mit
einem rotkarierten Küchenhandtuch.
Nicht die Erforschung theoretischer Postulate, sondern schöpferische
Absichtslosigkeit kennzeichnet Ulrich Görtz künstlerische Haltung.
Seine Motive entspringen der eigenen Erfahrung. Szenen aus Träumen,
Erinnerungen oder Erlebnisse des Alltags bilden die existentielle Grundlage
für seine Arbeit. Zugleich gesteht er dem Material selbst gestalterische
Macht zu. Seine Szenen ereignen sich in dem Raum, den Stein, Beton, Holz
oder Horn zur Verfügung stellen. In vielen Schichten handwerklicher
Bearbeitung lotet er diesen Raum so lange aus, bis das Dargestellte seine
Künstlichkeit verliert, bis die oft nicht einmal in allen Details
ausgeführten Gestalten eine schlafwandlerische Selbstverständlichkeit
gewinnen; wie Menschen, die unbeobachtet einer gewohnten Tätigkeit
nachgehen. Der in Stein gehauene Augenblick, in dem ein Mann seine Regentonne
wieder auffüllt, wird in seiner verewigten Flüchtigkeit zum mythischen
Moment.
Anna Jacobsen